Nutzungsrechte Design? Muss ich doppelt zahlen?

Vor kurzem habe ich erklärt, wie sich die Position „Vergütung für Entwurfsarbeiten nach AGD“ zusammensetzt.

Auch die Position „Vergütung Nutzungsrechte Design nach AGD/VTV“ (Vergütungstarifvertrag) ist häufig als einer der höchsten Posten in Angeboten und auf Rechnungen zu finden. Doch was sind Nutzungsrechte, wofür braucht man sie und wie werden sie berechnet? Und warum muss ich dann trotzdem die Entwurfsarbeiten zahlen?

Bezahle ich dann nicht doppelt? – Nein.

Die Entwurfsarbeiten und die Nutzungsrechte Design, bzw. die dadurch vergebenen Lizenzen, unterscheiden sich grundsätzlich.

Die Bezahlung der Entwurfsarbeiten decken meine persönliche, gestalterische Arbeit ab.

Die Nutzungsrechte decken den wirtschaftlichen Nutzen des Objekts für den Auftraggeber ab. Die Nutzungsrechte bieten anhand der variablen Faktoren die Möglichkeit einer fairen Preisgestaltung.

Im Beispiel heißt das: Der Arbeitsaufwand zur Erstellung einer Visitenkarte ist immer nahezu identisch. Allerdings ist der wirtschaftliche Nutzen eben dieser Visitenkarte für ein weltweit agierendes Unternehmen ein weitaus höherer als für den regionalen Friseurbetrieb.

Im Gegensatz dazu wäre es schwierig zu argumentieren, warum die Erstellung der Visitenkarte für das Weltunternehmen weitaus teurer sein sollte als der Entwurf für den Friseur. Denn im Grunde ist es die selbe Arbeit.

(c) AGD / www.agd.de

Der Vergütungstarif Design (VTV) sieht vor, die Vergütung für die Nutzung anhand des tatsächlichen Bedarfs des Auftraggebers zu kalkulieren. Dies erfolgt durch den sogenannten Nutzungsfaktor, mit dem die Grundleistung des Entwurfs multipliziert wird. Der Nutzungsfaktor setzt sich aus vier Teilfaktoren zusammen:

  • Nutzungsumfang,
  • Nutzungsgebiet,
  • Nutzungsdauer und
  • Nutzungsintensität.

Der Gesamtnutzungsfaktor kann zwischen 0,5 und 6,0 liegen.

Faktor Nutzungsumfang
einfache oder ausschließliche Rechteeinräumung | 0,2 oder 1,0
+ Faktor Nutzungsgebiet (räumlich) | 0,1 – 0,3 – 1,0 – 2,5
+ Faktor Nutzungsdauer (zeitlich) | 0,1 – 0,3 – 0,5 – 1,5
+ Faktor Nutzungsintensität (Nutzungsarten, quantitative Kriterien) | 0,1 – 0,3 – 0,7 – 1,0
= Gesamtnutzungsfaktor

Der Gesamtnutzungsfaktor wird mit der Vergütung für Entwurfsarbeiten (ohne weitere, urheberrechtlich nicht relevante Leistungen) multipliziert. Das Ergebnis ergibt die Vergütung für die Nutzungsrechtseinräumung.

Berechnungsbeispiel mit dem vom Alliance of German Designers (Allianz deutscher Designer (AGD) e.V.) empfohlenen Stundensatz von 90,00 EUR:

Beschreibung20-seitige Imagebroschüre, inkl. Text, Fotografie und Illustration für ein mittelständisches Unternehmen mit Zielgruppe im deutschen Markt, Auflage 5.000 Stück.
LeistungEntwurf und Grundgestaltung Grafikdesign
UmfangEntwurf beispielhaft anhand von Umschlag (U1&U4), sowie 3 Doppelseiten
Aufwand für Entwurfsarbeiten20 Stunden x 90, Euro = 1.800, Euro

Nutzungsumfang einfach 0,2
Nutzungsgebiet national 0,3
Nutzungsdauer ein Jahr 0,1
Nutzungsintensität gering 0,1
Gesamtnutzungsfaktor: 0,7

Vergütung für die Nutzungsrechtseinräumung:
Gesamtnutzungsfaktor x Vergütung für Entwurfsarbeiten
Faktor 0,7 x 1.800, EUR = 1260 EUR

Vergütung für Entwurfsarbeiten + Nutzungsrechtseinräumung
1800,- EUR + 1260,- EUR = 3060,- EUR

 

 

Quelle für Informationen und Berechnungen auf dieser Seite: www.vtv-online.de

Bilder: 
– Working Desk by hitdelight
– portrait of disgusted man by master1305

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